Bei den Über­tra­gun­gen der Geburts­ein­trä­ge fiel mir ein Fami­li­en­na­me beson­ders auf: de la Bar­ne. Er hat einen sehr fran­zö­si­schen Namens­klang, wodurch ich ein paar Über­le­gun­gen anstell­te.

Bei den Über­tra­gung der ver­schie­de­nen Ein­trä­ge in das Per­so­nal­stands­re­gis­ter Prin­zenthal merkt man schnell, aus wel­chen ver­schie­de­nen Sprach­ge­bie­ten die ein­zel­nen Fami­li­en­na­men her­kom­men. Es gibt da die deut­schen Fami­li­en­na­men wie Krü­ger, Schmidt, Hil­de­brandt, oder die sla­wi­schen Namen wie Lewan­dow­ski, Gackow­ski, Bart­kow­ski, aber auch Fami­li­en­na­men aus der pru­ßi­schen Spra­che wie Gosli­cki, Kuber­ra, Kla­wit­ter.

Ein Fami­li­en­na­me, der mir jedoch beson­ders auf­fiel und sozu­sa­gen ein­ma­lig war, war de la Bar­ne gewe­sen. Die­ser Fami­lie trat erst­mals im Geburts­ein­trag Nr. 73/​1878 von Cla­ra Rosa Lina Künt­zel auf. Ihr Vater hieß Wil­helm Künt­zel und ihre Mut­ter war Rosa­lie Künt­zel geb. de la Bar­ne. Da war er: de la Bar­ne. Er war der Mäd­chen­na­me der Mut­ter von Cla­ra Rosa Lina Künt­zel.

Die­ser Fami­li­en­na­me ist unver­kenn­lich fran­zö­sisch geprägt. Bei die­sem Name han­delt es sich offen­sicht­lich um einen Her­kunfts­na­me, der auf ein (damals) fran­zö­sisch-spra­chi­ges Gebiet ver­weist. Zwei Fra­gen taten sich mir auf, als ich die­sen Fami­li­en­na­me las:

  • Wo liegt “(de) la Bar­ne”?
  • Wie gelang­te eine fran­zö­sisch-stäm­mi­ge Fami­lie nach Preu­ßen?

Zu der ers­ten Fra­ge: Wo liegt “(de) la Bar­ne”?

Das lässt sich lei­der sehr schwer sagen, da eine Suche mit Goog­le auf der Stel­le nicht Pas­sen­des her­gibt. Hier müss­te tie­fer recher­chiert wer­den. Es gibt zwar eine “rue d la Bar­ne” (Stra­ßen­na­me) oder “le mou­lin de la Bar­ne” (Name eines Restau­rants), aber die­se Name hel­fen nicht viel wei­ter, weil es moder­ne Namen sind. Jedoch schei­nen sie eine Ort­schaft mit dem Namen (de) la Bar­ne zu bezeu­gen.

Und es gibt in der Tat zumin­dest eine Ort­schaft mit dem Namen la Bar­ne in Glos-la-Fer­riè­re, Bas­se-Nor­man­die, Frank­reich fin­den (Koor­di­na­ten: 48,838249, 0,58352). Es ist aller­dings kei­ne Stadt, nicht ein­mal ein Dorf, son­dern bes­ten­falls ein Gehöft, wo eigent­lich nur ein Haus mit 2 – 3 klei­nen Vieh­stal­lun­gen steht.

Die­ses Gehöft ist ein Teil der Gemein­de Glos-la-Fer­riè­re mit 544 Ein­woh­ner (Stand: 2013) Der Wiki­pe­dia-Arti­kel zu der Gemein­de Glos-la-Fer­riè­re (auf fran­zö­sisch) schreibt fol­gen­des:

Glos-la-Fer­riè­re est tra­ver­sé par le Val-Ver­net, le Val Cou­lé et la Bar­ne.

Über­setzt heißt dies unge­fähr: “Glos-la-Fer­riè­re wird von drei (Bächen) gekreuzt: le Val-Ver­net, le Val Cou­lé und la Bar­ne”. Ein Blick auf die Kar­te der Gemein­de bei Goog­le Maps zeigt zwar die Bäche le Val-Ver­net und le Val Cou­lé, aber nicht den Bach de Bar­ne. Statt­des­sen fin­det man den Bach le Val de Lau­nay, der inter­es­san­ter­wei­se direkt am Gehöft de Bar­ne vor­bei fließt. Denk­bar wäre, dass der Bach le Val de Lau­nay einst (le Val) de Bar­ne hieß und irgend­wann umbe­nannt wur­de.

Zu der zwei­ten Fra­ge: Wie gelang­te eine fran­zö­sisch-stäm­mi­ge Fami­lie nach Preu­ßen?

Man kann die Ant­wort ein­fach und ein wenig pau­schal beant­wor­ten, indem man ein­fach sagt, eine Fami­lie namens de la Bar­ne sei von einem frän­zö­sisch-spra­chi­gen Gebiet aus­ge­wan­dert und woll­te sein Glück auf preu­ßi­schem Boden ver­su­chen. Denk­bar, aber ein wenig unrea­lis­tisch, wie ich fin­de. Meis­tens – wie die Geschich­te es uns lehrt – sind es eher grö­ße­re Ent­schei­dung oder Ereig­nis­se poli­ti­schen oder reli­giö­sen Gesche­hens, die gan­ze Men­schen­grup­pen, -mas­sen oder eth­ni­sche Min­der­hei­ten zwingt, von einem Gebiet und ein ande­res, fer­ne­res Gebiet aus­zu­wan­dern. Man den­ke dabei an die Zeit nach dem 30-jäh­ri­gen Krieg, wo qua­si hän­de­rin­gend Hand­wer­ker und ande­re Fach­kräf­te der dama­li­gen Beru­fe gesucht wur­den, um die zer­stör­ten Gebie­te wie­der schnell auf­zu­bau­en. Vie­le davon waren aus der Schweiz gewe­sen. Aber auch die Pro­tes­tan­ten­ver­trei­bung an den Salz­bur­ger Exu­lan­ten/-Emi­gran­ten um 1732 nach Preu­ßen maß­geb­lich, aber auf in den Nie­der­lan­de und nach Ame­ri­ka, ist ein kon­kre­tes Bei­spiel.

Ein wei­te­res Bei­spiel die­ser Migra­ti­ons­wan­de­run­gen las ich schick­sals­haf­ter­wei­se vor weni­gen Tagen: die Huge­not­ten. Das ist eine etwa seit 1560 gebräuch­li­che Bezeich­nung für die fran­zö­si­schen Pro­tes­tan­ten im vor­re­vo­lu­tio­nä­ren Frank­reich. Ihr Glau­be war stark vom Cal­vi­nis­mus, der Leh­re Johan­nes Cal­vins, beein­flusst. Bereits im 16. Jahr­hun­dert kam es zu ernst­haf­ten Kon­flik­ten zwi­schen Huge­not­ten und der katho­li­schen Kir­che, da die­se die Huge­not­ten ein Dorn im Auge ihrer katho­li­schen Glau­bens­leh­re war. Die­se Kon­flik­te spitz­ten sich im 17. Jahr­hun­dert zu. Es kam zu den so genann­ten Huge­not­ten­krie­gen und trotz eines Ver­bot ver­lie­ßen ca. 200.000 Huge­not­ten Frank­reich. Sie wan­der­ten euro­pa­weit ein und immi­grier­ten bei­spiels­wei­se in die Schweiz, die Nie­der­lan­de, Eng­land, Irland, Deutsch­land und Nord­ame­ri­ka. Auch in den skan­di­na­vi­schen Län­dern wie im däni­schen Kopen­ha­gen, im schwe­di­schen Stock­holm, Russ­land und Süd­afri­ka sie­del­ten sich Huge­not­ten an.

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p style=“text-align: justify;”>Und hier setzt auch mein Gedan­ke über den Grund des Fami­li­en­na­mens de la Bar­ne auf deutsch­spra­chi­gen Boden an. Bewei­se im Sin­ne von Tex­ten und Bele­gen gibt es frei­lich nicht. Es ist mehr als Ver­mu­tung oder als The­se anzu­se­hen. Mei­ne Behaup­tung ist, dass es eine huge­not­ti­sche Fami­lie mit den Namen de la Bar­ne gab, die Zuflucht in das dama­li­ge Deutsch­land bzw. Bran­den­burg-Preu­ßen such­te. Das dama­li­ge Deutsch­land im 17. Jahr­hun­dert ist nicht mit unse­rem heu­ti­gen Deutsch­land gleich­setz­bar. Es ist bekannt, dass ca. 20.000 Huge­not­ten in Ber­lin auf­ge­nom­men wor­den sind. Ins­ge­samt wur­den 40.000 Huge­not­ten in Brand­burg-Preu­ßen auf­ge­nom­men (davon 20.000 in Ber­lin). Die rest­li­chen Huge­not­ten wur­den in Brand­burg-Preu­ßen ver­teilt. Ich neh­me daher an, dass eine huge­not­ti­sche Fami­lie namens de la Bar­ne der Grund für das Erschei­nen des Nach­na­mens de la Bar­ne ist – in die­sem spe­zi­el­len Fall um der Mäd­chen­na­men der Mut­ter von Cla­ra Rosa Lina Künt­zel in Prin­zenthal bei Brom­berg in Posen zu Preu­ßen.